Fernstudium Waldorfpädagogik
Über uns
Gelegentlich werden wir gefragt, ob ein Fernstudium überhaupt geeignet sei, sich die Grundlagen der Waldorfpädagogik zu erarbeiten. Denn hier gehe es doch weniger um den Erwerb von Wissen, vielmehr sollten Fähigkeiten gebildet werden: durch eigene Erkenntnistätigkeit, durch künstlerisches Üben usw.
Unsere Erfahrung zeigt: gerade deshalb hat sich das Fernstudium für viele als geeigneter Weg erwiesen. Denn näher betrachtet sollte man das Fernstudium besser Nahstudium nennen: Es zählt nur, was sich jeder selbst erarbeitet, ganz individuell. Und genau diese Kraft kann zum Fundament der Zukunft werden. Denn die Praxis der Waldorfpädagogik lebt davon, dass selbständige Persönlichkeiten sich frei entschließen, Verantwortung zu übernehmen. Das kann im Fernstudium beginnen und geübt werden.
Wir haben uns deshalb entschlossen, an dieser Stelle in loser Folge Erfahrungsberichte zu veröffentlichen, die Teilnehmer mit dem Fernstudium gemacht haben.
Waldorfpädagogik vom Feinsten
Als ich das Fernstudium begann, merkte ich ziemlich schnell, dass ich mich hier nicht in einem Fastfood-Restaurant befand, in dem einem die Rezepte auch noch gleich mit auf den Weg gegeben werden. Nicht, dass ich das erwartet hätte, aber wie so ein Fernstudium funktionieren sollte, war mir doch sehr schleierhaft. Inzwischen stelle ich fest, dass ich mich in einem Feinschmecker-Lokal ganz unvergleichlicher Art befinde. Die Zutaten sind von höchster, auserlesener Qualität, die Speisen äußerst delikat zubereitet und nicht nur eine Gaumenfreude, sondern auch eine Augenweide – obwohl die Anforderungen an die Kiefermuskulatur nicht zu leugnen sind!
Wenn Herr Weirauch einem die erste Rohkostplatte mit einheimischen Gemüsesorten reicht, muss man zwar auf manch einer Zwiebel länger rumkauen, aber eingelegte Kichererbsen sind auch dabei! Die zweite Rohkostplatte kann einem da mit allerlei fremdländischen Zutaten doch zuweilen mehr Schwierigkeiten bereiten: Kann man die Dinger wirklich essen?, fragt man sich da bei dem ungewohnten Anblick. Beim ersten Bissen meldet das Gehirn noch: Kenne ich nicht, mag der Bauer nicht. Aber spätestens nach dem dritten Bissen stellt sich das Gehirn um und fragt sich: Wie konnte ich vorher ohne diese offensichtliche Köstlichkeit leben?
Da kommt aber auch schon Herr Kubiessa mit einem übervollen Silbertablett herein. Soviel kann man unmöglich essen!, ist der erste Gedanke. Und wer in dem Glauben war, bei Waldorfs gehe es vegetarisch oder gar vegan zu, der hat sich getäuscht. Hier wird Kost geboten, an der der Magen wochenlang zu verdauen hat: Rinderbraten, Schweinemedaillons, Pilzsauce, aber auch zarteste Kartoffelröschen mit Dillspitzen.
Man hat sich getäuscht, wenn man meint, bei der Suppe à la Wendt ausruhen zu dürfen. Sie ist zwar eine homogene Masse, die gut die Kehle hinuntersaust, aber eine Herausforderung an die Geschmacksknospen durch ihre delikate Zusammensetzung.
Beim fünften Gang, von Frau Naefe-Storm gereicht, fällt plötzlich der Strom aus. Man muss im Dunkeln weiter essen. Nun kann man nur noch durch Blick ins eigene Innere herausfinden, was einem da eigentlich vorgesetzt wird. Ist es Spargel, Mangold oder Bambus? Habe ich das überhaupt jemals schon gegessen?
Wenn das Licht wieder angeht, erscheint es einem umso heller und man glaubt bei dem zarten Fischgeruch, der nun aufsteigt, man kenne sich wieder aus. Aber Herr Hardorp hat die Lachsforelle in Salzkruste verpackt! Wie kriege ich die da nur raus? Mühsam hantiert man mit allerlei Gerät herum, erinnert sich womöglich daran, dass es einem in der Kindheit schon immer nicht gelingen wollte, so einen Fisch auszupacken und manch tadelndes Wort steht einem wieder vor der Seele. Wenn es einem schließlich gelungen ist, muss man acht geben, dass einem nicht eine der vielen Geraden im Halse stecken bleibt…
Zum Nachtisch reicht Frau Rischke einem heißes, frisch frittiertes Obst und gleich in Folge selbst gemachtes Milchspeiseeis. Da kann einem schon heiß und kalt werden, wenn man so auf seine eigene Wärmeregulierung aufmerksam gemacht wird!
Wird sie uns wohl im letzten Gang Käse servieren, oder eher ein Verdauungsschnäpschen?
Dieses Lokal bietet die Möglichkeit, Waldorfpädagogik richtig durchzukauen – und sie schmeckt! Diese Darreichungsform erscheint zunächst als eine Kompromisslösung, erweist sich aber überraschenderweise gerade durch seine Hürden als goldene Möglichkeit. Denn wo wird die Ich-Kraft mehr gefordert und der Wille geschult, als wenn die eigene Zielsetzung sich von der Umgebung unterscheidet, jeder Gedanke wirklich alleine errungen werden muss und die Lösungen letztlich nur im eigenen Innern zu finden sind, anstatt in äußeren Formen?
Obendrein kann man sich das Verdauungsschläfchen ganz im eigenen Rhythmus und Zeitmaß erlauben und auf so individuelle Art, wie ich es mir besser gar nicht vorstellen kann. Alle Köche haben damit eine großartige Möglichkeit geschaffen, sich die Waldorfpädagogik einzuverleiben. Aber eines ist klar: in diesem Restaurant ist jeder Gang eine Hauptspeise!
Vielen Dank für all das!
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Anneke Schammann, La Gomera
Fernstudium Waldorfpädagogik
Auf dem Hof sehe ich einen Kreis Unbekannter, angeregt ins Gespräch vertieft. Wenig später, nach der Begrüßung und einem gemeinsamen Essen, die erste Arbeitseinheit. Aus der eigenen Kindheit werden bedeutende Erlebnisse mit Erwachsenen geschildert, manche haben Erinnerungsstücke mitgebracht. »Da gab es meine Tante Inge. Sie hatte keine Kinder … Ihre große Liebe hatten ihr einst meine Großeltern ausgeredet, denn der Geliebte war Flüchtling. … Noch heute lebt sie in ihrem Elternhaus. 75 Jahre alt und alkoholkrank vor lauter Sehnsucht.« –
Ungewöhnlich ist, dass diese intimen Gespräche bereits am ersten Abend stattfinden können, wo die Teilnehmer noch nicht einmal gegenseitig ihre Namen kennen. Offensichtlich erleben sie sich bereits als Gemeinschaft. Und genau genommen sind sie es auch in der gemeinsamen Arbeit an biografischen und spirituellen Fragestellungen. Alle arbeiten seit Monaten, manche bereits seit einem Jahr im begleiteten Selbststudium an den Grundlagen der Anthroposophie und Waldorfpädagogik.
– Ist das möglich, trotz geografischer Entfernung? Die Erfahrungen, die nach sechs Jahren Fernstudium Waldorfpädagogik vorliegen, sprechen für sich.¹
Entscheidend in der Lehrerbildung ist letztlich, ob sich jemand wirklich aufmacht, ob er sich selbst in Bewegung bringt. Diesen Schritt muss jeder für sich vollziehen, an seinem Ort, zu seiner Zeit. Kontinuierliches künstlerisches Üben kann da sehr hilfreich sein.
Als schwierig am Fernstudium mag mancher empfinden, dass man stärker als anderswo auf sich selbst gestellt wird, diese innere Kraft täglich neu in sich aufzurufen. Dass ein solcher Übungsweg von immer mehr Menschen gesucht wird, überrascht nicht: die Erziehung bei sich selbst beginnen zu lassen ist eine der Bedingungen für pädagogisches Handeln aus spiritueller Menschenerkenntnis. Und es sind keine Einzelfälle mehr, wo Menschen diesen Weg so erfolgreich gegangen sind, dass sie sich nicht nur als Klassen- oder Oberstufenlehrer bewähren, sondern bald zu den tragenden Kräften im gesamten Kollegium gehören. Mehrere von ihnen haben als Klassenlehrer inzwischen sogar neue Schulen maßgeblich mit gegründet. Andere suchen das Fernstudium vielleicht zunächst nur deshalb, weil sie sonst keine Aussicht hätten, jemals Waldorflehrer zu werden. Denn dieser Entschluss reift oft erst dann, wenn durch die Lebenssituation, durch Familie, Beruf des Partners usw. der Besuch eines Vollzeit-Seminars nicht möglich ist. Ein Direktstudium wird dann auch häufig als der Erwachsenenbildung nicht adäquate Form empfunden. Deshalb sind die berufsbegleitenden Kurse in vielen Städten eine gute Alternative. Aber auch da bleibt ausgeschlossen, wer zu weit entfernt wohnt. Eine andere Herausforderung entsteht durch die zunehmende Zahl von Kollegen ohne waldorfpädagogische Vorbereitung, die längst an Waldorfschulen unterrichten, oft mit vollem Deputat und in der Verantwortung einer Klassenführung. Auch hier hat sich das Fernstudium bereits mehrfach als rettender Anker erwiesen. Sonst würde mancher von ihnen vermutlich weiterhin völlig ohne Waldorfausbildung bleiben.
Die zahlreichen Anmeldungen beim Fernstudium haben inzwischen dazu geführt, dass man mit einer Wartezeit von einem Jahr rechnen muss, bevor man zu einem der verhältnismäßig wenigen Präsenz-Seminare nach Jena eingeladen wird. Gleichzeitig ist das dezentrale Netzwerk des Fernstudiums auch geografisch gewachsen. Dozenten und die meisten Teilnehmer kommen aus dem gesamten Bundesgebiet zwischen Nordsee und Alpen, etwa ein Drittel aus den östlichen Bundesländern. Einige leben in Nachbarländern wie Österreich, Schweiz, Luxemburg oder östlicheren Gegenden wie Ungarn und Lettland. Aber auch von den Kanarischen Inseln, von La Palma, hat sich zum letzten Seminar eine Teilnehmerin auf den Weg nach Jena gemacht. Und – ich hätte das kaum für möglich gehalten – sogar aus Lima in Peru war eine von zwei Teilnehmerinnen gekommen, die von Südamerika aus das Fernstudium Waldorfpädagogik absolvieren. 23 Absolventen bekamen in diesem Jahr ein Diplom überreicht, vier davon in Form einer Studienurkunde für einen Teilabschluss. 21 von ihnen arbeiten an Waldorfschulen und -kindergärten, allein zehn davon als Klassenlehrer; andere als Fachlehrer, zumeist in der Oberstufe, drei als Gruppenleiterin im Waldorfkindergarten. Die Studienzeit betrug jeweils zwei bis drei Jahre, manchmal auch vier.
Das Vertrauen, das den meisten in ihrer Berufspraxis bereits entgegengebracht wird, ist groß – und wohl nicht unberechtigt. Eine Absolventin erzählte neulich, dass ihr das Motto, unter dem sie das Fernstudium Waldorfpädagogik kennengelernt hatte, immer wichtiger wird – die Plastik »Erwachende« mit dem Hinweis Rudolf Steiners: »Alles Schlafende hat die Tendenz, eines Tages zu erwachen.«
Friedhelm Garbe
¹Vgl. die Erfahrungsberichte von Studierenden in »Erziehungskunst« 5/2004, S. 542-546: »Fernstudium für Quereinsteiger«.
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(Aus Erziehungskunst 1/2008) - Unter
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Meine Erfahrungen mit dem Grundstudium
Es waren eher praktische Gründe, die mich dazu bewogen haben, das Fernstudium als Ausbildungsform zu wählen, obwohl es in unserer Stadt die Möglichkeit gibt, an einem berufsbegleitenden Kurs teilzunehmen. Ich habe vier Kinder und einen berufstätigen Mann, daher kann ich mir nicht vorstellen, über zwei Jahre jedes Wochenende nicht in meiner Familie sein zu können. Familienarbeit bedeutet neben den ganzen praktischen Tätigkeiten Beziehungspflege – und die braucht Zeit und Kontinuität. Ich wäre als Mensch und somit auch als Lehrerin unglaubwürdig, wenn ich das nicht wüsste und in meiner eigenen Familie nicht leben würde.
Dennoch habe ich auch als Mutter von vier Kindern das Recht, mich weiterzubilden und bin daher froh, dass das Fernstudium mir die Möglichkeit gibt, einen Rahmen dafür zu finden.
Darüber hinaus bietet diese Art des Studiums für mich weitere Vorteile, wie ich jetzt, nachdem sich mein Grundstudium seinem Ende nähert, feststelle.
Die Tatsache, dass ich die Zeit, die ich für das Studium aufwenden muss, selbst in meinen Alltag einfügen kann, bedeutet auch, dass ich in meinem eigenen, ganz persönlichen Rhythmus arbeiten kann. Dadurch kann ich die Zugänge zum Weg der Anthroposophie, die sich mir bieten, tatsächlich auch finden. Die Dinge können sich mir einprägen, weil ich den Raum dafür schaffen kann. Da ich mich selbst und meine Familie nicht über Gebühr belaste, kann ich mich freien Sinnes auf die Inhalte einlassen und sie in mir reifen lassen.
Das erfordert auch Selbstdisziplin; aber die Tatsache, dass es mir gelingt, diese aufzubringen, zeigt mir, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Ausserdem werde ich mich ja als Lehrerin auch selbstständig auf meinen Unterricht vorbereiten müssen, was ich auf diese Art gleich mitlerne.
Es ist übrigens tatsächlich so, dass ein Text, obwohl ich ihn lese und nicht vom Verfasser vorgetragen bekomme, sehr eindrücklich sein kann. Wäre dem nicht so, könnte Rudolf Steiner auch nicht bis in unsere Zeit hinein wirken.
Durch die Transferaufgaben trete ich in eine kommunikative Beziehung zum Text und dessen Verfasser. Die Aufgabenstellungen fordern von mir, mich sehr genau mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Durch die ausführlichen Korrekturen erfahre ich sehr intensive Aufmerksamkeit durch meine Lehrer.
Habe ich etwas nicht verstanden, merke ich es gleich und kann nocheinmal nachlesen.
Oder ich lese Sekundärliteratur; und oftmals habe ich Hilfe bei Steiner selbst gefunden.
Natürlich reichen die Lektionen nicht aus, deshalb gibt es die Präsenzwochenenden, zu denen immer ein anderer Verfasser einer Lektion kommt, um mit uns zu arbeiten.
Da wir zu dem Zeitpunkt die Lektion meistens schon bearbeitet haben, ist das Zusammentreffen umso fruchtbarer. Zum einen sind wir optimal vorbereitet, zum anderen haben wir uns bereits in der Transferaufgabe mit dem Thema auseinandergesetzt und womöglich Fehler gemacht. Umso grösser ist dann der Lerneffekt. Letztlich lernen wir ja gerade aus unseren Fehlern.
Die persönlichen Kontakte zu Lehrern und Studienkollegen sind zwar selten, dafür aber sehr intensiv und konzentriert.
Ich lerne auch dadurch. Ich lerne, dass sich die Dinge tatsächlich entwickeln, wenn sie ihre Zeit bekommen und dass ich darin Vertrauen haben kann.
Nicht zuletzt erlaubt mir diese Art des Studiums, die Schritte, die ich aus meiner Familie hinaus tun muss, in Ruhe abzuwägen. Auch für meinen Mann ist es so leichter, langsam in die Aufgaben hineinzuwachsen, die er, wenn ich berufstätig werde, mit übernehmen muss. Müsste ich jedes Wochenende weg, wäre das eine Belastung für unsere Familie und unsere Beziehung, die schwer zu ertragen wäre.
In unserer Zeit ist es wichtig, solche Aspekte bei der Gestaltung von Ausbildungsangeboten und Arbeitsplätzen mit einzubeziehen. Es ist eine gesellschaftliche Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass Eltern Familie und Beruf vereinbaren können, ohne dass Auflösungstendenzen auf Familien wirken, etwa durch zu frühe und zu lange Fremdbetreuung der Kinder, oder unverhältnismässig hohe Belastungen der Beziehung.
Ich bin in diesen Monaten viel wacher und lebensfroher geworden. Ich sehe mich selbst deutlicher, ebenso meine Mitmenschen und meine Kinder. Ich kann sie besser beurteilen, aber ich bewerte sie weniger. Ich habe das Wesen der Metamorphose verstanden. Ich übe beobachten. Ich übe, soziale Prozesse wahrzunehmen. Ich versuche zu zeichnen. Ich mache wieder mehr Musik. Ich habe gelernt, was bildhafter Unterricht ist. Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen Begriffen, Definitionen und Bildern. Ich weiss, was bewegliche Begriffe sind. Ich habe gelernt, dass Pädagogik sich am Kind orientieren muss, wenn sie ihren Namen verdienen will.
Ich habe erfahren, dass es Entwicklung gibt, gerade wenn man die Dinge in Ruhe reifen lässt.
Ich wurde durch die Lektionen angeregt, Texte und Vorträge von Rudolf Steiner zu lesen. Gleichzeitig waren die Lektionen mir Hilfen, Steiner zu verstehen, aber auch umgekehrt. In dieser Hinsicht bleibt mir noch viel zu lernen, aber ich bin auf dem Weg zu einem tieferen Verständnis der Menschenkunde, der Erziehungskunst, der Philosophie der Freiheit, der Theosophie, usw...
Jetzt habe ich noch ein ganzes Jahr Zeit zuzuschauen, wie Waldorfpädagogik in die Praxis umgesetzt werden kann und meine eigenen ersten Gehversuche zu machen. Ich hoffe sehr, dass ich auch eine Chance dazu bekomme.
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Andrea Münch, Freiburg
Distanz ermöglicht Nähe zum Wesentlichen
Die Form des Fernstudiums kam mir aufgrund meiner beruflichen und familiären Situation sehr entgegen. Dennoch fragte ich mich, ob es möglich sei, die speziellen Inhalte Rudolf Steiners auf diese Weise zu vermitteln. Zu diesem Zeitpunkt hegte ich außerdem einige Vorbehalte gegen die "anthroposophische Zunft". Doch die letzten Bedenken gegen diese Form des Studiums und die Anthroposophie verflüchtigten sich während des ersten Seminarwochenendes in Jena.
Ich erlebte dort im Kontakt mit den MitstudentInnen, wie individuell Arbeitstechniken und Erkenntnisse sein können; ebenso, wie viel Rudolf Steiner an der Ausbildung individueller Freiheit und Fähigkeiten gelegen ist. Die Auseinandersetzung mit den Inhalten der Lektionen und die Wirkung in mein Alltagsleben hinein, gestaltete sich mehr und mehr als sehr intensiv und fruchtbar.
Wie Bindeglieder für Theorie und Praxis wirkten die wiederkehrenden Seminare in Jena. So fand ich manchen Gedanken, der mich bewegte, bestätigt, auf neue Weise betrachtet oder auch zuweilen in Gesprächen sorgsam korrigiert.
Wieder zu Hause war es gerade der örtliche der Abstand zu Dozenten und MitstudentInnen, der fruchtbar wirkte und die Dinge reifen ließ und lässt. Distanz schafft ja oft Nähe zum Wesentlichen.
Überrascht war ich immer, wenn sich zeigte, dass geistige Arbeit und Gedankenkraft eine ebensolche Wirkung entfalten können, wie das praktische Tun.
Im Alltag machten sich anfängliche Mühen dann plötzlich als positive Veränderungen bemerkbar. Bspw. gingen nach einem arbeitsintensiven Wochenende in Jena in den folgenden Tagen berufliches sowie familiäres Leben zu Hause leicht und fröhlich von der Hand.
Den stärksten Eindruck hat im zweiten Studienjahr auf mich die Tätigkeit als angehender Lehrer in einer Waldorfschule gemacht. Das "Fernstudium Waldorfpädagogik" empfand ich als solide Grundlage, um als Berufsanfänger selbständig unterrichten zu können. An Punkten, an denen ich zuweilen unsicher war, standen mir Dozenten mit Rat und Tat, manchmal auch mit offener Kritik zur Seite.
Ebenso offenherzig begegneten mir SchülerInnen, KollegInnen und Eltern. Es entwickelte sich wie von selbst ein außergewöhnliches Vertrauen im gesamten Umfeld, um konstruktiv arbeiten zu können.
Diese Erlebnisse der letzten zwei Jahre haben meinen Entschluss, mich der Waldorfpädagogik zu widmen, bekräftigt und mich darüber hinaus mehr und mehr ermutigt, Lehrer zu werden.
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Matthias Klaußner, Leipzig
Rückblick auf das "Waldorfrestaurant“
Nachdem ich während des Studiums im vollen Genuss desselben einen Bericht über dieses "Waldorfrestaurant“ verfasst habe (s.o.: Waldorfpädagogik vom Feinsten), möchte ich nun nach Abschluss desselben noch eimal, nach einem kleinen Verdauungsschläfchen, einen zusammenfassenden Rückblick halten.
Mit dem Ziel, als Klassenlehrerin zu arbeiten, habe ich in den Jahren 2007 bis 2010 das Fernstudium Waldorfpädagogik in Jena besucht – bzw. eben gerade nicht besucht, und das ist der springende Punkt. Denn genau das, was für einen Außenstehenden als Mangel empfunden werden kann, wird vom Fernstudium als Chance ergriffen: Was normalerweise in Vorlesungen oder Seminaren Wissensvermittlung ist, die auf Seiten des Dozenten Aktivität und auf Seiten des Studierenden Empfangsbereitschaft voraussetzt (um es einmal kurz zu fassen), verlagert sich durch die Fernstudien-Situation nach Hause. Das bedeutet, dass jeder Einzelne ringend im Denken und Erkennen selbst aktiv werden muss. Ein passives Aufnehmen im Gefühlsbereich, wo das Gehörte, wenn nicht aus freiem Entschluss willentlich gehoben, auch jahrelang im Schwärmerisch-Unverdauten und Un-Individualisierten hängen bleiben kann, ist hier nicht möglich. Man muss beim Bearbeiten eines Transfers individuell aktiv werden – sonst kann es passieren, dass man ihn zurückgeschickt bekommt. Die individuellen pädagogischen Fähigkeiten werden dabei deutlich sichtbar, und es wird zu- oder sogar abgeraten vom Lehrerberuf, wenn es begründete Zweifel der Studienleitung gibt.
Der Bereich der Ausbildung aber, der nur im persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch vermittelbar ist, bekommt an den Arbeitswochenenden in Jena einen besonderen Raum. Denn die Begegnung mit den jeweiligen Autoren der zwölf Lektionen hat gleich zu Beginn eines Wochenendes eine Art Vertrautheit, weil man zu Hause gedanklich mit den Anregungen des Dozenten so gerungen hat (und er oder sie mit dem vom Studenten verfassten Transfer), dass man sich in der Begegnung gleich im Innern, im Gedankenleben, befindet. Der übliche Prozess des Sich-Kennenlernens ist dadurch enorm verkürzt bis hinfällig geworden. Das ermöglicht eine Intensität der Arbeit an den Präsenzwochenenden, die erstaunlich ist.
Dadurch also, dass die allgemeine Wissensvermittlung zum individuellen Ringen um Erkenntnis wird, besteht die Möglichkeit, in der menschlichen Begegnung in die Tiefe zu gehen, dahin, wo wir unsere Grundhaltung den Dingen gegenüber ansiedeln. Man bearbeitet tatsächlich den Bereich, wo wir das Nonverbale zu erfassen beginnen und unser Sein umgestalten können: wo wir nicht mehr fragen, was wir im Unterricht tun, sondern wer wir sind, jeder Einzelne von uns.
Es entsteht Raum für schlafende Fähigkeiten. Die Persönlichkeiten beginnen zu strahlen. Wer diesen Freiraum der Entfaltungsmöglichkeiten erleben durfte, bekommt ein Gefühl dafür, was es für unsere Schüler bedeuten kann, ihnen durch eine solche Haltung den Entwicklungsraum zu geben, den sie zur Entfaltung ihrer Anlagen brauchen.
Mein Werdegang hat mir ermöglicht, noch zwei weitere Waldorfseminare zu absolvieren, eines im Ausland und eines mit staatlicher Anerkennung. Beide sind mir unentbehrlich in meiner persönlichen Laufbahn und ich erlebe kein “besser” oder “weniger gut”. Aber ich kann durch die Vergleichsmöglichkeiten sagen, dass das Fernstudium qualitativ nicht nur in keinster Weise anderen Waldorf-Ausbildungen nachsteht, sondern Aspekte erfüllt, die sonst nur zum Teil oder gar nicht vorhanden sind. Deshalb ist es in der Landschaft der Waldorflehrer-Ausbildungen nicht mehr wegzudenken.
Ich hoffe, etwas von dieser guten Küche an die Kinder weitergeben zu können und mich im Zweifelsfall nicht in der Suche nach Rezepten zu verlieren, sondern die Qualität der Zutaten zu hinterfragen und mit Liebe zu kochen – dem Beispiel des “Jenaer Waldorfrestaurants” folgend.
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Anneke Schammann, Augsburg
Wonach ich schon lange gesucht habe
Die Waldorfpädagogik habe ich durch meine Kinder entdeckt. An ihnen und im Spielkreis der Christengemeinschaft habe ich noch vor der Wende 1989 erleben können, wie anders Pädagogik wirken kann, wenn sie vom Kinde ausgeht. Über das Herstellen von Waldorfspielzeug erfuhr ich ganz langsam die Zusammenhänge anthroposophischer Menschenkunde. Seitdem sind 17 Jahre vergangen, in denen ich mich immer intensiver mit Waldorfpädagogik und Anthroposophie, aber auch mit anthroposophischer Medizin, Architektur und biologisch-dynamischer Landwirtschaft auseinandergesetzt habe.
Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, mehr wissen zu wollen, besonders über die Zusammenhänge zwischen Menschenkunde und Pädagogik. Ich arbeite selbst als Fremdsprachenlehrerin an einem staatlich-beruflichen Gymnasium und habe auch dort die Erfahrung gemacht, dass mir die Beschäftigung mit Anthroposophie eine große Hilfe im Umgang mit den Jugendlichen ist. Ich wollte also unbedingt mein Wissen erweitern, sah mich jedoch als voll berufstätige Mutter mit drei Kindern (20, 16, 10) und einem Mann mit unsteten Dienstzeiten außerstande, dies in einem der gewöhnlich wöchentlichen berufsbegleitenden Seminare zu bewältigen.
In dieser unbefriedigenden Situation nahm ich als Sprecherkreismitglied des Bundeselternrates an einer Delegiertentagung teil, wo ich einen Hinweis auf das neu entwickelte
Fernstudium WaldorfPädagogik bekommen habe. Das hat mich angesprochen. Also habe ich mir die Unterlagen zuschicken lassen und mich sofort an die Arbeit gemacht. Wie ein Schwamm sog ich alles auf. Die Fragen am Ende jeder Lektion beängstigten mich nicht. Aber als ich sie dann beantworten wollte, wurde mir bewusst, wie sehr mir die direkte Begegnung fehlte. An wen schrieb ich hier eigentlich? Wem sollte ich meine teilweise doch recht intimen Vorstellungen plausibel machen? Ich habe lange gezögert, viel umgeschrieben, geändert, bevor ich den ersten Transfer dann schließlich abschickte.
Nach dem ersten Präsenzwochenende in Jena und dem Kennenlernen der Autoren wurde alles viel einfacher. Sofort fühlte ich mich angenommen, willkommen und nicht mehr so allein. Die erlebte Sicherheit, jederzeit jeden von ihnen anrufen und fragen zu können, ließ mich freier mit den Texten umgehen. Bei allen Lektionen, die ich bisher durcharbeitete, habe ich selbst im Frage-Antwort-Teil immer noch etwas dazugelernt. Besonders gut finde ich die praxisnahen Problemstellungen. Zum einen erfordern sie, dass man sich intensiv mit dem Gelernten beschäftigt, zum anderen regen sie in den Beispielen konkrete Anwendungen an. Die Lektionen sind sehr dicht, aber ganz authentisch geschrieben. Auch die angegebene Ergänzungslektüre empfinde ich als hilfreich.
Die Treffen der Kursteilnehmer und Dozenten in Jena dienen dem Darstellen größerer inhaltlicher Zusammenhänge, aber auch künstlerischen oder handwerklich-praktischen Übungen. Zunächst haben wir uns mit dem Wesen des Menschen, der Anthroposophie und den Entwicklungsstufen im Kindes- und Jugendalter beschäftigt. Dies sind auch die Themen der ersten drei Lektionen. Durch die Seminare wurde ein tieferes Verständnis möglich.
Die intensive Zusammenarbeit, das gemeinsame Streben nach demselben Ziel hat in kurzer Zeit wirkliche Gemeinschaft entstehen lassen. Auch die Gespräche in den Pausen lassen das Studium lebendiger werden, als es vielleicht auf den ersten Blick hin scheinen mag. Die wenigen Wochenenden geben unglaublich viele Anregungen, sind vielseitig und machen Mut, auch schwierige Arbeitsphasen zu überwinden, Hilfe zu erbitten, das Gespräch zu suchen.
Auch wenn ich mir dadurch einen harten Zeitplan auferlegen muss, arbeite ich immer noch voller Freude an den Lektionen. Manchmal glaube ich, es ist die Nahrung, nach der ich lange schon gesucht habe. Viele Dinge im Alltäglichen schaue ich jetzt wacher und bewusster an. Ich lerne, zu beobachten, wahrzunehmen. Auch die vorgeschlagenen meditativen Übungen helfen mir, mich in die Phänomene hineinzudenken. Nun hoffe ich, auch am Praxisjahr teilnehmen zu können, um das Gelernte noch mehr in der Praxis erüben zu können.
(Aus Erziehungskunst 5/2004) - Unter
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Andrea Seifert, Leipzig
Mit Familie und Beruf Waldorflehrer werden
Wie kann ich Waldorflehrerin werden, wenn ich an einer staatlichen Schule unterrichte, eine Familie mit drei Kindern zu versorgen habe und das nächste berufsbegleitende Waldorf- Lehrerseminar weit von meinem Wohnort entfernt liegt? Das war meine Frage, nachdem mich eine Waldorfschule darauf angesprochen hatte, ob ich mir nicht vorstellen könne, dort zu unterrichten. Ich konnte es mir sehr wohl vorstellen! Aber wie sollte ich es bewerkstelligen, mich sozusagen nebenbei auch noch zur Waldorflehrerin zu qualifizieren?
Man traute es mir anscheinend zu, diese komplexen und sehr verantwortungsvollen Aufgaben zu meistern. Das ehrte mich. Gleichzeitig wurde mir ein schon lange unausgesprochener Wunsch bewusst: Ich wollte freier werden in meiner pädagogischen Tätigkeit. Nun war der Funke entfacht! Ich suchte, wo es nur ging, nach Downloads zu Ausbildungsmöglichkeiten. Zwischenzeitlich verwarf ich mein Anliegen wieder, da immer wieder deutlich wurde, dass sich mein Vorhaben nicht mit meinen anderen Aufgaben in Familie und Beruf verbinden ließ. Eines Tages hielt ich dann einen Zettel in der Hand über ein
Fernstudium WaldorfPädagogik.

Spinnen: Nicht den Faden verlieren Diese Art der Ausbildung interessierte mich! Ich informierte mich erst einmal telefonisch und erhielt ausführliches Informationsmaterial, welches inzwischen auch im Internet zur Verfügung steht. Durch meine persönliche Situation blieben Fragen offen, aber auch jetzt wurde ich mit viel Engagement umfassend beraten. Unter anderem wurden mir Gespräche mit Teilnehmerinnen eines schon laufenden Studienjahres ermöglicht, die sich in ähnlichen Situationen befanden. Langsam rundete sich das Bild ab und ich war überzeugt, dass ich unter diesen Bedingungen die gewünschte Ausbildung schaffen könnte. Inzwischen läuft das Fernstudium und ich habe einen großen Teil des Grundstudiums hinter mir. Ich bin begeistert, mit welcher Sorgfalt und in welchem Umfang meine Ausarbeitungen gelesen und kommentiert wurden. Ich habe das Gefühl, dass ich in meiner gesamten Studienzeit an der Universität noch nie so intensiv betreut wurde! Zum Grundstudium gehören auch drei Präsenz- Seminare in Jena. Vorab hätte ich nicht für möglich gehalten, dass an einzelnen Wochenenden so intensiv und tiefgehend gearbeitet werden kann. Da natürlich auch die künstlerische Arbeit in Ansätzen mit in das Grundstudium gehört (ausführlich wird dieser Bereich in das Praxisjahr eingebunden), haben es die Veranstalter vorbildlich gemeistert, Phasen der Anspannung und Entspannung abwechseln zu lassen. Alle Teilnehmer haben sich ja vor den Treffen schon intensiv mit den gleichen Fragestellungen beschäftigt. Daher war in kürzester Zeit eine positive und sehr intensive Zusammenarbeit möglich.
Im kommenden
Praxisjahr werde ich dann an einer Waldorfschule mit ca. zwölf Wochenstunden unterrichten. Dabei werde ich einen Mentor zur Seite haben, der mich neben dem Seminar auf meinem Weg begleitet. Mit ihm kann ich alle Angelegenheiten des Schulalltags besprechen.
Ich möchte vielen Menschen Mut machen, die auf der Suche sind nach einer Möglichkeit, wie sie die Ausbildung zum Waldorflehrer / zur Waldorflehrerin mit Familie und/oder Beruf unter einen Hut bekommen können. In anderen Studienrichtungen gibt es schon lange die Möglichkeit der Fernstudien. Hier ist nun endlich auch in der Waldorfpädagogik ein gangbarer Weg eröffnet worden.
(Aus Erziehungskunst 5/2004) - Unter
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Gertrud Fabry, Balve
Woher sollte ich es denn wissen?
Warum ich an eine Waldorfschule gegangen bin, obwohl ich doch beim Staat viel mehr Geld verdienen könnte, das musste ich schon häufig erklären. Da hab ich dann was von pädagogischer Überzeugung, von Schule ohne Durchfallen und Klassenlehrerprinzip heruntergeleiert oder von der tiefgründigen pädagogischen Überlegung jedes einzelnen Schrittes erzählt. Aber von den enormen Freiräumen einer Waldorfschule, die aus klaren menschenkundlichen Motiven resultieren, habe ich nichts berichtet. Nichts berichten können! Ich dachte eben, Waldorfschulen machen das so nach Gefühl, z.B. mit dem Lesen und Schreiben-Lernen.
Woher sollte ich als Newcomer im Oberstufenbereich auch wissen, warum beispielsweise zunächst nur die Laute eingeführt werden, das Lesen aber erst dann geübt wird, wenn das Kind reif dazu ist? Mit Konsonanten hatte ich mich in meinem Germanistikstudium auch ausführlich beschäftigt, von ihrer Semantik bis hin zum Ort ihrer Bildung. Doch bisher verwendete ich die Konsonanten nur als kommunikatives Hilfsmittel der Sprache. Nach der Seminarwoche des Praxisjahres in Jena, in das ich (noch ohne Grundstudium!) eingestiegen bin, haben sie für mich eine andere, neue Qualität gewonnen, die sich plötzlich auch in meinem Unterrichtsalltag widerspiegelt. Ich achte neuerdings darauf, wohin ich spreche, welche Gesten ich dabei mache und wie das die Schüler tun.
Diese Qualitäten konnte ich bei der Sprachgestaltung selbst erfahren und die emotionale Seite dieser Laute erspüren. Das so zu erkennen, fiel mir wegen meiner üblichen analytischen Herangehensweise schwer. Doch in einem Laut zu baden, ein Bild dafür zu finden und dieses lange auszukosten, das war neu und schön für mich. Kann das für einen Erstklässler vielleicht ganz einfach sein, wenn man ihm nicht einseitig beigebracht hat, dass die Laute der Buchstaben nur zum Zusammensetzen von Wörtern da sind?
Ich persönlich habe das ganz anders gelernt. Woher kommt dann meine Begeisterung für Sprache, für Gedichte und Balladen? Ich wurde mit ihnen in der Schule getrimmt und hatte dankenswerterweise trotzdem meinen Spaß an den von meinen Mitschülern verhassten Versen. Erst jetzt wird mir das Glück bewusst, dass ich das alles trotzdem genießen konnte. In Jena hatte man bei allen Teilnehmern das Gefühl, sie begegneten den Inhalten mit Freude, Skepsis und Neugier gleichzeitig. Keiner der Anwesenden war Waldorfschüler. Doch alle unterrichteten wir jetzt Schüler, die Konsonanten und Vokale ohne die ausschließliche Verpflichtung zur Kommunikation erlernen durften.
Tastübung: Neue Räume erschließen; Übungen der Aufmerksamkeit Wie bringen meine Schüler, die so vieles anders gelernt haben als ich, trotzdem meine Gedanken in die richtige Reihenfolge und können meine akademisch verwirrten Gedankenfäden aufnehmen und nutzen?
Ich muss daran denken, wie uns mühsam das Spinnen beigebracht wurde. Und ich erinnere mich an meine Ungeduld während des gesamten Seminars. Inzwischen wurde mir klar, dass auch wir Teilnehmer einen Prozess durchlaufen mussten. Wir mussten wieder Schüler werden, um dann auch wacher für unsere Schüler zu werden.
Überhaupt waren die Prozesse innerhalb des Seminars denen einer Klasse fast vergleichbar. Individuell sein ja, aber bitte nicht auffallen, am Abend dem Zugriff der Lehrer entfliehen. Heimliches Uben in den Pausen, das zeigte die schülerhafte Begeisterung am Lernen. Doch an der Sache selbst lösten sich die Grenzen zwischen den Teilnehmern untereinander und den Dozenten auf. Die Interpretationen gemalter Bilder, die Erfahrungen und Erlebnisse mit Kollegen: alles deutet daraufhin, dass hier für ein verbindendes Ziel gearbeitet wurde: für die persönliche Erkenntnis.
Am Willen zum Lernen mangelte es keinem von uns, und Willensbildung war Hauptthema der Blockwoche. Doch mit dem Willen die Erkenntnis zu erzwingen, das funktioniert eben nicht. Und auch das mussten wir lernen: dass scheinbar immer erst am Ende der Seminare klar wurde, welche Fragen wirklich brennen. Wie gut, denn dann können wir im Alltag selbst auf die Suche nach Antworten gehen.
Welchen anderen Hintergrund haben denn nun die Waldorfschulen? Ist das alles nur eine Folge des anthroposophischen Weltbildes? Oder treffen hier suchende Menschen aufeinander mehr vielleicht, als anderswo? Dann passe ich ja vielleicht sogar gut hinein, in die Gruppe der Sucher. Ob ich denn hier befriedigende Ergebnisse finden werde, das weiß ich immer noch nicht. Aber die Tatsache, dass hier gesucht wird, ist sehr motivierend.
Mit der Lektüre der Theosophie Rudolf Steiners haben wir einen harten Brocken als Hausaufgabe bekommen, nicht ohne Hilfestellung und den Hinweis, dass die Lehrenden sich über die schwere Verdaulichkeit des Inhalts bewusst seien. Doch nun ahne ich, wie meine Schüler empfinden, wenn sie den Parzival oder das Nibelungenlied lesen sollen.
Die Zuversicht, dass mich das Ganze auf meinem Erkenntnisweg voranbringen wird, will ich an meine Schüler weitergeben, wenn ich morgen früh wieder in die Schule fahre. Doch etwas ist anders geworden: Bislang habe ich nur aus Begeisterung an einer Waldorfschule unterrichtet. Jetzt aber bin ich überzeugt oder genauer gesagt: Jetzt gewinne ich Boden unter den Füßen!
(Aus Erziehungskunst 5/2004) - Unter
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Christof Ortlieb, Magdeburg
Individuelle Wege zum Waldorflehrer
Als ich vor 5 Jahren das Fernstudium der Waldorfpädagogik in Jena im ersten Jahr ihres Bestehens begonnen hatte, war ich der Anthroposophie zwar schon länger zugetan, betrat aber mit diesem Schritt völliges Neuland.
Die Pioniere des Fernstudiums 2003 in Jena waren Frauen aus ganz Deutschland, mit unterschiedlicher Geschichte, Motivation und Vorbildung und ebenso unterschiedlichen Wegen und Zielen. Unser gemeinsames Anliegen war es, uns der Waldorfpädagogik und der Anthroposophie zu nähern. Es hat mich sehr angesprochen, mit welchem Engagement der Dozenten jede von uns individuelle Antworten bekam und auf welch feine Weise jede von uns in ihrem Sosein gesehen und angenommen werden konnte. So fanden wir allgemeine Grundlagen, persönliche Antworten und die Möglichkeit, in unserer eigenen Geschwindigkeit in die Tiefen der Waldorfpädagogik zu dringen.
Eine zusätzliche künstlerische Betätigung, die Begleitung durch ein Kollegium und die Möglichkeit, auftauchenden Fragen im Alltag nachgehen zu können, also eine begleitende Schule, die stete Verknüpfung zur Praxis herstellt, habe ich als sehr hilfreich erlebt.
Die Lektionen des Fernstudiums führten mich von allgemein anthroposophischen Betrachtungen, die eine Basis darstellten, über Themen des Klassenlehrers, auf einem Weg der Erkenntnis im Verstehen, bis zur Dreigliederung. Besonders die Lektionen der Oberstufe, für die ich mich vordergründig zunächst gar nicht so sehr interessiert hatte, erhellten mir durch den selbst gegangenen Weg des Erkennens, wie durch bildhafte Betrachtung und Suche der hinter den Dingen liegenden Zusammenhänge und Wesenhaftigkeit, Verstehen und erlebte Erkenntnis stattfinden kann. Ich war beeindruckt, als ich erleben durfte, wie Oberstufenschüler in der Waldorfschule die Welt auf diese Weise erfahren und durchdringen dürfen.
Da wir alle auf unterschiedliche Weise bereits mit Kindern arbeiteten, tauchten auch immer wieder aktuelle Fragen zu Pädagogik und den Kindern, wie sie sich in unserer Zeit entwickeln, auf, und ich war angetan von der Weise, wie offen und wenig beschönigend auch Schwierigkeiten angeschaut werden konnten, die insbesondere mit der heutigen Zeit, den Kindern, wie sie in unserer Gesellschaft sind und was sie mitbringen, zu tun haben. Ich erlebe täglich, wie wichtig es ist, die Kinder so zu nehmen und zu sehen, mit all ihren Fähigkeiten und Nöten, und sich den Fragen und Aufgaben zu stellen, die die Kinder ganz offensichtlich an ihre Begleiter und Erziehungskünstler stellen. Ich habe im Fernstudium Offenheit erlebt, sich diesen Themen und Fragen zu stellen, mit einer gemeinsamen Suche und der Notwendigkeit von steter Lebendigkeit und Beweglichkeit.
Leider waren die Lebensumstände der Studierenden so unterschiedlich, dass wir uns durch die eher seltenen Treffen nicht allzu tief miteinander verbanden, so dass es untereinander außerhalb der Seminare wenig Kontakt gab, was ich etwas bedauere.
Ich bin sehr dankbar, den Mut gehabt zu haben, den Weg des Fernstudiums mit den Menschen zu gehen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, wie ich in die Anthroposophie und die Waldorfpädagogik eintauchen durfte. Ich habe Zuspruch und Unterstützung für meine persönliche Situation erfahren, wurde da abgeholt, wo ich war und habe erlebt, wie ich in meinem Suchen ernst genommen und begleitet wurde. Das gab mir Zuversicht und Halt. Ich habe die Dozenten authentisch erlebt und habe große Achtung vor ihrem Durchdrungensein, ihren eigenen Fragen und ihrem eigenen Suchen.
Mein primäres Anliegen ist es, Kindern zu begegnen, sie zu begleiten und ihnen, soweit es möglich ist, in meinem Lehrersein zu helfen. Ich denke, dass dies im allgemeinen ein Anliegen der Waldorfpädagogik ist und bin dankbar, dass es die Möglichkeit gibt, dass den Weg zum Waldorflehrer jeder auf seine individuelle Weise beginnen kann.
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Sabine Rietdorf, Waldkirch
Freiheit im Denken und Respekt vor der Entwicklung des Einzelnen
Mein Entschluss, Waldorfpädagogik im Fernstudium zu studieren, war in erster Linie meiner familiären und beruflichen Situation geschuldet. Ich bin als freischaffende Sängerin und Gesangspädagogin und als Mutter eines Sohnes eigentlich voll eingespannt. Ich wollte mich pädagogisch weiterbilden und meine Beschäftigung mit der Anthroposophie mit anderen teilen und vertiefen. Als ich dann die Annonce vom Seminar in Jena las, hatte ich die Hoffnung, Studium, Arbeit und Familie unter einen Hut bringen zu können.
Diese Ausbildung hat mich bereichert und ich habe mich durch das Fernstudium verändert. Einerseits: in der Gemeinschaft zu lernen und zu erkennen (an den Präsenz-Wochenenden); andererseits: auf mich allein gestellt, in freier Zeiteinteilung das Studien-Material durcharbeitend – das war für mich eine ausgezeichnete Mischung. Meine Seminar-Gruppe, die menschlichen Begegnungen mit Kommilitonen und Dozenten, die Themenauswahl und vor allem die praktischen Übungen (Spinnen! Eurythmie!) in Verbindung mit dem geistigen Tun – das alles hat meine pädagogische Arbeit verändert, hat mich neu auf meine Tätigkeit blicken lassen.
Von dem Umgang mit dem Werk Rudolf Steiners im Rahmen des Fernstudiums bin ich nachhaltig bewegt. Steiners Aufruf zur (Weiter-)Entwicklung der Anthroposophie wird in Jena gehört und ihm wird nachgegangen. Diese in der Anthroposophie verwurzelte Freiheit im Denken, der Respekt vor der Entwicklung des Einzelnen (Kursteilnehmers/Dozenten/Schülers) haben meine Hoffnungen in sinnvolle pädagogische Arbeit im Heute, Hier und Jetzt gestärkt.
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Anja Mertin, Berlin
Ein Weg, der auch mit dem Lehrersein nicht aufhört
Kann man durch ein Fernstudium zum Waldorflehrer ausgebildet werden? – Ja, wenn man sich unvoreingenommen auf die Anthroposophie einlässt und bereit ist, Neues zu denken. Durch das eigene Erarbeiten der Lektionen bekommt man einen individuellen Zugang. Auch den Anforderungen des Praxisjahres muss man sich aus eigenem Antrieb stellen.
Dann begibt man sich – voller Fragen – auf einen Weg, der auch mit dem Lehrersein nicht aufhört, sondern mit den Schülern und den Kollegen weitergeht. In diesem Sinne ist man nie ein „aus“gebildeter Waldorflehrer.
Herzlichen Dank für das „Auf-den-Weg-Bringen.“
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Birgit Mang, Weimar
Bereichernde Vermittlung eines Grundwissens für Erzieher
Ich bin staatlich anerkannte Erzieherin und mit einer Vollzeitstelle in einem Waldorfkindergarten tätig. Als ich nach einer Lösung suchte, der Waldorfpädagogik berufsbegleitend näher zu kommen, erfuhr ich von dem Studium der Waldorfpädagogik im Fernunterricht mit einzelnen Blockseminaren in Jena. Dies war für mich die einzige Möglichkeit trotz meiner Berufstätigkeit als Erzieherin zu studieren.
So begann für mich ein Entwicklungsprozess, den ich nicht missen möchte. Denn dieses Studium beinhaltete für mich nicht nur die Auseinandersetzung als Erzieherin mit Kindern im Kindergartenalter, sondern auch den Blickpunkt auf die gesamte Entwicklung des Menschen zu setzen, wie Schulkind, Jugendlicher, junger Erwachsener und älterer Mensch.
Alle menschlichen Entwicklungswege sind miteinander verwoben und nur wenn ich mir die Gesamtzusammenhänge klarmache, kann ich auch als Erzieher im Kindergarten wirken. Daher habe ich die Seminare und Lektionen als bereichernd empfunden, auch oder gerade durch die mit angebotenen Lehrerseminare, die mir als Erzieher neue Sichtweisen und „Aha-Erlebnisse“ eröffneten.
Außerdem lernte ich nette Dozenten und liebe Kollegen/-innen kennen.
Ein Leitsatz von Rudolf Steiner hat mich bei meiner Ausbildung begleitet: „Der Erzieher/Lehrer sei ein Mensch der Initiative im großen und im kleinen Ganzen.“
Dieses Bewusstmachen, niemals lässig zu werden in seinem Handeln, Denken und Tun in großen und kleinen Zusammenhängen, ist mir immer wieder während des Studiums in Jena begegnet. Darüber bin ich froh und dankbar. Ich wünsche mir, dass noch viele Erzieher diesen Weg des Fernstudiums in Jena beschreiten.
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Birgit Fleck, Mainz